Zurück aus der Wüste
Diesmal war alles ganz anders als erhofft. Schon die Anreise zum Rand der SAHARA mit meinem Freund Albert in den überfüllten Überland-Bussen war sehr anstrengend. Der Himmel bedeckte sich ausgerechnet in den Tagen zu WEIHNACHTEN mit einer selten düsteren Wolkendecke. Die Tour mit den Dromedaren zur Oase, wo wir die Weihnachtstage verbringen wollten, ging langsam. Auch der Sand war ohne Sonnenlicht fahl und unplastisch. Als wir endlich in meiner geliebten Oase ankamen fiel auch der gewöhnlich so herzliche Empfang unserer Beduinen-freunde flach. Bis auf einen waren sie alle an einem Virus hart erkrankt. Ausser uns zwei, Albert und mir, waren keine weiteren Gäste gekommen. Alles war diesmal so ganz anders, so enttäuschend!
Nach einem einfachen Essen-Reis mit Gemüsen und bitterem Tee- gab es auch kein wärmendes Feuer in der Mitte des Oasen-platzes, dort, wo die letzten Male die Berber mit ihren wirbelnden Trommeln zum Tanz aufgespielt hatten. Alles war so merkwürdig still, tot, zurückgenommen, krank.
Schliesslich, nachdem Albert und ich in unserem von Kerzen beleuchteten Beduinenzelt Weihnachtstexte gelesen hatten, ging ich allein ins Dunkel der Wüste, etwa hundert Meternach Osten. Ich hatte mich so nach dem grandiosen Sternenimmel gesehnt! Ich musste bitter von allen ERWARTUNGEN und Vorstellungen loslassen, was mir dann auch unter Tränen gelang. Erst nachdem ich ganz zulassen konnte, dass sich mein sehnlichster Wunsch nach einer von magischer Stille erfüllten Sternennacht nicht erfüllen würde begann ich langsam offen zu werden für das was dieser Moment- und nur dieser Moment- mir schenken wollte. Ab diesem Moment erst konnte ich das Besondere dieser Weihnacht 2008 empfangen. Ich war so zu, so verstopft!
Nun aber konnte ich ein ganz zartes, weiches Licht aufsteigen erleben. Ein Licht, das nicht aus der Weite des Sternenhimmels ÜBER mir kam, sondern das aus den TIEFEN der Erde aufstieg, aus ihrem Herz-zentrum. Dazu hob mich eine horizontal-schwingende Energie in eine unbeschreiblich leichte und tänzerische Bewegung. Ich schwebte regelrecht und folgte diesen Anregungen der weihnachtlichen Mutter Erde mit einer freien Tanzimprovisation-etwa eine halbe Stunde lang tauchte ich in dieses unerwartete Glück ein- und war dankbar geworden für dieses völlig unerwartete GESCHENK: “Das Licht kommt nicht mehr von Aussen. Es will ganz tief in dir selbst geboren werden. Es ist längt da! Du musst es nur befreien von allen falschen VORSTELLUNGEN.”
Auf unserem Weg zuück aus der Wüste durften wir noch einmal eine ähnliche Erfahrung machen:
Albert wurde plötzlich schlecht auf seinem Dromedar. Es waren nur noch eine Stunde Ritt. Doch plötzlich musste Albert absteigen und stürzte sogleich bewußtlos in den Sand. Er war zusammengebrochen, war völlig kraftlos, brauchte Wasser, musste ausruhen.blieb einfach liegen. Die Kameltreiber mussten aus terminlichen Gründen aber weiter, zurück zum Basislager. So musste ich mit Albert ganz ganz langsam, Schrittchen für Schrittchen, stützend den Weg aus der Wüste finden. Es dauerte drei Stunden dieser Gang, der uns erneut zusammenführte, in Demut. Er kam an die Grenzen seiner physischen Kräfte, musste neu über sein Leben nachdenken- welche Richtung noch wichtig wird. Und ich, ich kam so deutlich an die Grenze meiner Liebesfähigkeit, stieß so gewaltig an meinen Egoismus an, an die Gewohnheit immer mein eigenes Tempo zu laufen, meinen eigenen Weg zu gehen.
Aber wieviel mehr wert ist ein gemeinsamer Weg im gegenseitigen Helfen. Das war wiedermal eine gewaltige LEHRSTUNDE der Wüste. Hoffentlich hält es lange an. DANKE!
