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November, 2008

Wollen, was die Kleinen brauchen. Ein Friedensprojekt mit jugendlichen Arabern, Juden und Christen in AKKO / Israel.

November 09, 2008 Von: Johannes Matthiessen Kategorie: Kunst in Sozialen Brennpunkten 1 Kommentar →

Im Rahmen der Internationalen Janusc Korczak Tagung in Akko/Israel war meine Aufgabe- neben einem Vortrag über meine Sozial-ökologischen Landschaftskunst-projekte-mit Jugendlichen verschiedener religiöser Überzeugungen, einen Janucs Korczak Begegnungsplatz zu gestalten. Schutzherr dieses Friedens- Projektes war der Bürgermeister der Stadt AKKO, die seit langem gemeinsam von Arabern und Juden bewohnt und verwaltet wird. Diese Aufgabe war dort von ganz besonderer Brisanz, da nur 3 Wochen zuvor ein drei Tage andauernder Strassenkrawall zwischen Hunderten von Arabischen und Jüdischen Jugendlichen statt fand. Auslöser war ein lärmender junger Araber, der die heilige Stille der Juden während ihres höchsten Feiertages, dem Jom kipur, provokativ brach. Darauf hin begann die schlimmste gewaltsame Auseinandersetzung seit Jahren durch die Strassen von AKKO zu toben.

Zusammen mit der rechten Hand des Bürgermeisters, selbst ein Bildhauer, suchte ich einen großen hellen Kalkstein und dazu noch 14 etwa 1,50 Meter große Steine als sich begegnende Gruppe aus.

Jeder der Jugendlichen sollte nun ganz frei aus sich heraus seine eigene “Philosophie” und Befindlichkeit durch ein einfaches Linielrelief auf einem Stein zum Ausdruck bringen. Dazu hatten wir leider nur 3 Tage Zeit. Alles musste ziemlich rasch gehen, was natürlich den Prozess nicht unterstützte. Dennoch entstanden an vielen Stellen und Momenten wichtige Verständigungsbrücken, Begegnungen, Fragen, Auseinandersetzungen. Die gemeinsame Arbeit an diesem neuen Begegnungsplatz inmitten verschieden-kultureller Siedlungen erwies sich wieder als ein hervorragendes Mittel der Verständigung. Dies bestätigten auch die uns betreuenden Sozialarbeiter der Stadt, der Bürgermeister, ja selbst die orthodoxen Juden des Quartiers. Die Kultusministerin von Israel, die auch an der Korczak-Tagung teilnahm sieht in dieser gemeinsamen Gestaltungsarbeit eine gute Möglichkeit friedicher Begegnungen zwischen verfeindeter Jugendlicher in der Zukunft.

Weitere sehr wichtige und tiefgehende Elemente der Tagung waren:

* Das Tanz-Theater über das Leben und Wirken von Janucs Korczak der Auschwitz-Überlebenden Leiterin, die einst als kleines Mädchen von der SS gezwungen wurde stundenlang barfuss im Schnee zu stehen. Sie überlebte wie durch ein Wunder.

* Das Israelische Mundharmonika-Kinderorchester von Smolem Gogol, der als Waisenkind Korczaks nur durch sein fantastisches Mundharmonika-spiel den Holcaust überlebte, weil ihn die SS- Offiziere zum Musikchor aussortierten.

* Der fascinierende Bericht zweier ehemaliger Schüler von Korczak von ihrem Leben als Waisenkinder in Warschau. In ihnen lebte immer noch auf höchst lebendige Weise die Persöhnlichkeit ihres großen Lehrers.

Die begonnene Arbeit mit den Jugendlichen soll im März 2009 für zwei Wochen fortgesetzt werden.

Wer Interesse daran hat mitzumachen möge sich bei mir bitte melden. Sie sind herzlich dazu eingeladen, auch im Namen des Bürgermeisters von AKKO.