Arbeitstreffen in AUSCHWITZ – dem Gegenbild auf der Spur
Spät abends am Sonntag von Stuttgart nach Auschwitz aufgebrochen. Der maisgelbe Halbmond stand merkwürdig senkrecht, die Luft kühl aber nicht kalt. Nach dem bequemen ICE nach Fulda rattere ich in einem uralten Schlafwagen Richtung Warschau. Mit 5 polnischen Wanderarbeitern im Abteil ist der Luftraum sehr begrenzt. Die verspätete Ankunft zwingt mir eine 3-stündige Pause im Bahnhof Warschau auf. Mir fallen die frischen und sehr schönen Frauen auf. Sie haben eine besondere Aura um sich, die ich so im Westen nicht kenne. Dann weiter nach Katowice . Die eigentlich sehr schöne Landschaft ist immer mehr durchetzt von einer plumpen und unökologischen Schwerindustrie rund um das Bergbaugebiet Katowice. Dann wieder weiter mit dem absolut schrottreifen Bummelzug nach Auschwitz. In Auschwitz angekommen geht die Sonne blutrot über den Geleisen unter. Ich spüre: etwas für mich Unerwartetes wird aufstehen-über dem Massengrab von Auschwitz.
Am abend, 20h, treffe ich mich nach 24 Stunden Unterwegs-sein mit 3 außergewöhnlichen Menschen:
*Leo, der als 8 jähriger Bub mit seiner jetzt 100 jährigen Mutter aus dem Lager geflüchtet war, mehrmals dem Tod entkommen ist und jetzt ein spitituelles Heilungszentrum leitet. Er ist nach vielen Jahren unsteten Reisens bewußt an den Ort des Grauens zurückgekehrt.
*Bathia, die derzeitige Präsidentin der Internationalen Janusz Korzcak Gesellschaft mit Sitz in Jerusalem, die ebenfalls ihre Familie in Auschwitz verlor.
*Eyal Bloch, dem Enkel des Jüdischen Philisophen Ernst Bloch, der nach Überleben der Nazizeit bewußt bis zu seinem Lebensende in Deutschland lebte und wirkte.
Noch am Abend sitzen wir im” Zentrum für Dialog und Versöhnung” zusammen, um uns für unser Treffen mit dem Bürgermeister von Auschwitz am nächsten Tag vorzubereiten. Wir wollen vorschlagen, ein durch die Geschichte belastetes Gelände mit jungen Menschen aus aller Welt umzugestalten in einen PLATZ DER VERSÖHNUNG und Verständigung der Völker, Kulturen und Religionen. Dies war der ausdrückliche Wunsch von Leo, den Verstorbenen Seelen von Auschwitz die Loslösung vom schmerzverkrampften Camp zu erleichtern. Deshalb auch betreibt er seinen Aschram für “Lichtarbeit”.
Eyal und Bathia wollen den jährlich ca 4000 Jüdischen Besuchern aus aller Welt Wege erschliessen zur Verarbeitung und Versöhnung mit ihrem Familienschicksal.
Ich selbst wollte eigentlich gar nicht mehr nach Auschwitz, wurde aber dringend gebeten Vorschläge zur Gestaltung eines solchen Platzes zu machen.
Als ich alleine noch einmal mitten im Gelände des Grauens stand- zusammengedrückt von dem Grauen und Schmerz, der immer noch anwesend ist-wurde in mir ein lauter Schrei geboren, den ich bis ins Universum warf:
“Wer oder was ist eigentlich der Mensch?”
Ich erlebte plötzlich einen riesigen durchsternten Lichtraum, der aus der Erde aufstieg und sich immer mehr nach oben hin ausdehnte. Dann kam wie ein ECHO in Wellen aus dem All eine Antwort:
“Ihr seid riesig, seid alles und nichts. Ihr umfasst das ganze Universum; auch Gott. Ihr seid wahrhaftig mehr als nur ein mehr oder weniger intelligentes Schnitzel. Euer Wesen, euer Sein ragt hinein in alle Dimensionen der Engelshierarchien und der ganzen Sternenwelt. Denn aus ihnen seid ihr entsprungen. Euer je persönliches Menschsein hat zwei Zentren in denen ihr verankert seid. Eines ist in der sphärischen Perpherie des Kosmos, das zweite ist tief in euch selbst. Diese beiden Zentren eurer Existenz strahlen fortwährend aufeinander zu, durchdringen sich und erzeugen so ein ganz besonderes Kraftfeld um den Planeten Erde. Das Kraftfeld der Mensch- l- ich- keit. Werdet ihr euch dessen bewußt, so kann sich euer Handeln auf dieser Erde bis in alle Details hinein radikal verändern. Steigt jetzt ein in diesen LICHTRAUM!”
Diese Antwort auf und aus Auschwitz stand in diesem Moment mit einer ungeheuren Kraft im Raum, mit hundertfachem Nachhall.
Noch am Abend versuchte ich dieses Erlebnis in einer ersten Skizze für den Versöhnungsplatz zum Ausdruck zu bringen. Es sollte eine Versöhnung mit einem vergessenen Bild vom Menschen werden.






















