Erg Chebbi: Geräusche und Klänge der Wüste
Du hast und brauchst viel Zeit in der Wüste. Das Schritt-tempo der Kamele entspricht ziemlich genau dem eines gezielt gehenden Menschen.
Du hörst das regelmässige Eindrücken der Füsse von Mensch und Tier in den Sand als kräftiges Knirschen. Die Kamele treten immer in die eigenen und die Löcher der vorangehenden Tiere.
Der ruhige, gleichmässige Rhythmus geht mit deinem Herzschlag. Bergauf verlangsamt, bergab verschnellert sich das Tempo leicht ,und diese kleine Variation wiegt dein Träumen immer wieder wach, du musst immer etwas um deine eigene Aufrechte balancieren.
Um das Einschlafen deiner breit nach unten baumelnden Beine zu verhindern musst du von Zeit zu Zeit absteigen und eine längere Pause machen.
Es ist gut, dann weit abseits vom Pfad in die hohen Sanddünen zu gehen und dich wieder zu sammeln, um dich wieder auf dem Boden dieses Planete zu spüren.
Dann-in solchen Momenten-beginnst Du ganz leise die ganze Palette der Geräusche und Klänge zu hören. Da ist zunächst der summende Ton des Windes, der an deinem Ohr vorbeizieht und über der Oberfläche der Sanddünen ein unglaublich fein-wirbelndes Rieseln der Millionen feinster Sandkörner hervorruft.
Am stärksten und lautesten ist dieses Streichelgeräusch an den Graten der Dünen, wo der Sand drübergleitet und die Luft peitscht. Über diesem ständig feinst-bewegten Sandmeer thront der erhabene Klang der azurblauen Himmelskuppel.
Sein tiefes Summen ist wie der Grundton der ganzen Komposition, der alles trägt. Ganz ganz nah hörst Du, poch poch, das Klopfen deines eigenen Herzens in deinem Brustraum.
Es ist wie das wache Trommeln, das dir sagt: Du bist hier- auf dieser Erde, unter diesem Himmel, in diesem Universum. Um dich ausgebreitet die unglaublich variable und fantasiereiche Melodie der Sanddünen.
Sie singen durch ihre Formen in den höchsten und tiefsten Tönen und ändern ihre Klangnuancen ständig, je nach Stand der Sonne, deren Licht wie ein dauernder Orgelton klar und hell, einem Dirigenten gleich, alle Gräusche zu einer grossen Aufführung aufmuntert.
In diesen Momenten sprechen alle Dinge von ihrer Herkunft: der Musik, der Kosmischen Musik der grossen Mutter.
Und auch du selbst hörst dich als klingenden Körper, als geronnene Musik.
DU BIST KLANG.








