Sidi Ifni: In der Stadt des anderen Lichts
Am fruehen Morgen der sternfoermige Lauf zur zentralen Moschee. Aus der Ebene, den Bergen, den Mauern-in blauen oder weissen Gewaendern. Maenner, Frauen, Kinder. Alle laufen fuer sich in Gruppen getrennt. Dann- die kompakte Stunde aufregenden und erregenden Gebets ueber Lautsprechen in die vier Himmelsrichtungen, unueberhoerbar weit und laut und in meinen Ohren aggressiv. Dann- das Beten im Stehen, Beugen, Knien, Niederwerfen. In strengen Reihen angeordnet, wie ein Koerper, gehorsam und ausgerichtet nach Mekka. Immer die anreizende Stimme des Vorbeters im Ohr. Und wieder niederbeugen, komm schon, sei nicht so bequem! Wieder den Kopf auf den Boden druecken, Schulter an Schulter, Gewand an Gewand. Danach- rasch nach hause, wieder sternfoermig ueber den weit-offenen Wuestenplatz in den weissen Kapuzengewaendern auseinanderlaufen, in alle Richtungen ausstrahlen. Im Vorbeigehen an den Hausmauern sehe ich das erste Blut im Rinnstein fliessen, rot,dann bald ueberall und immer mehr roter Boden. Das grosse Schlachten, das grosse Opfern hat begonnen, puenktlich um elf Uhr. Manchmal hie und da noch ein hilfloses Bloeken eines Hammels oder Schafes. Dann ist es ploetzlich ganz still. Jetzt wird gehaeutet. Das große Opferfest- jede Familie muss mindestens ein Schaf, einen Hammel schlachten. Das sind allein in Marokko etwa 8 Millionen Tiere. Opfern, was bedeutet das? Ein schoener, grosser Hammel kostet etwa 3-4 durchschnittliche Monatsgehaelter. Das ist viel! Und das Blut, das in die Erde fliesst? Ich versuche zu verstehen. Bin ich selbst faehig zu opfern, etwas mir sehr Wichtiges wegzugeben? Von etwas mir Liebgewordenem ganz loszulassen, es weiterzuschenken an andere? Oder ganz da zu sein fuer andere? Wie schwer mir das faellt! Opfern- ich will es lernen.





